Markus Korsmeier



Geboren 1962. Seit vielen Jahren mit Kurzgeschichten und sehr persönlichen Essays auf einer eigenen Blogplattform präsent. Beruflich seit 1984 als IT-Berater, Software-Entwickler und Quality Manager selbständig unterwegs. Neben der Lust an Kultur, Reisen und Photografie immer mehr fasziniert von der Macht des geschriebenen Wortes..

Etwas Biografie

D ie Jugend im provinziellen westfälischen Münster als jüngstes Kind seiner Eltern Werner Jakob und Helga Korsmeier unter sehr glücklichen Umständen verbracht. Besuch einer katholischen Grundschule, danach eher unglückliche Jahre auf einem sogenannten humanistischen Gymnasium. "Wir wurden dort auf Vieles vorbereitet - nur nicht auf's Leben.".
Studium der Volkswirtschaftslehre an der WWU Münster, Tätigkeiten als Mitarbeiter bei Prof. Dr. Heinz Lothar Grob, später bei Prof. Dr. Wolfram Holdt. Diverse Arbeitsbereiche in den Universitäts-Rechenzentren. Fasziniert von den Möglichkeiten der gerade in Mode kommenden Personal Computer. Erste erfolgreiche Programmierversuche mit Borland's Turbo Pascal. Was mit Object Pascal ein ewiger Wegbegleiter wurde.
Von 1984 an selbständig im IT-Bereich. Weil er es laut Aussagen seiner ehemaligen Mathematiklehrerin nicht so mit Zahlen hat, konzentriert er sich fortan nur noch auf Nullen und Einsen. Viele Jahre erfolgreicher Programmierungen für KMUs, NGOs, Banken, Sparkassen, Orden, Ministerien. Ausdehnung der Geschäftsbereiche auf Coaching und Consulting neben der Programmierung. Tätig in Deutschland, Luxemburg, Frankreich, Großbritanien, Nordamerika.

Seit 1995 immer wieder in Versuchung, ihn ergreifende Geschehnisse in Kurzgeschichten aufzuarbeiten und zu verarbeiten. Die Idee zu "Imbert" kam aufgrund einiger bretonischer Kriminalromanerfolge eines anderen Autors. Was als Wette unter guten Freunden began, findet jetzt seit 2015 weitere Fortsetzungen.

Leseprobe
H umanismus. Imbert hatte immer gedacht, der Humanismus sei das Allheilmittel für jedwede Form von Lebenskonfrontation. Sozusagen die Wunderwaffe jenseits von glaubensbasierten Lösungen. Sein Glaube an den Humanismus, in Früh-Gestalt des Francesco Petrarca, Marsilio Ficinos, später Rudolf Agricolas, in den künstlerischen Werken von Leonardo da Vinci und in der Gestalt von Erasmus von Rotterdam – all dies waren formende Wegbegleiter seines persönlichen Lebens gewesen. Er hatte sich schon früh, zu Beginn der Abschlachtereien des angeblichen «Islamischen Staats» in Syrien, selbst mit dieser Frage konfrontiert. Und kapituliert. Denn sein bisheriges Wertgefüge ließ keine passende Antwort zu. Es gab keine moderate Lösung. Wenn im Tschad oder in Nigeria die Regierungen auf Unterstützung von Söldnern, ehemaligen Angolakämpfern, Apartheitskämpfern und Söldnern von Executive Outcomes zurückgriffen, nur um die massenhaften Übergriffe der Boko Haram einzudämmen, dann hatten sie seine volle Zustimmung.
Wer einmal das Leid gesehen hatte, welches durch den Boko Haram wie ein Buschfeuer durch diese Region getragen wurde, der würde jedwede Eindämmung von Massenvergewaltigungen, Genoziden und brutaler Folterung gutheißen. Aber war er ein Ritter in der Verteidigung der Werte seines westlichen Kulturkreises? Hatte er das Recht zu urteilen? Oder handelte es sich vielleicht sogar um Notwehr? Im großen Kontext einer glaubensbasierten Auseinandersetzung zwischen radikalem Islam und den Werten des Okzidents? Imbert hatte sich damit sehr bewusst aus der Komfortzone seines bisherigen beruflichen Lebens herausbewegt. Und er würde sich wohl nicht so schnell zurückbewegen können. Dafür standen die Zeichen der transnationalen Konflikte zu schlecht.

Seine Gedanken schweiften. Zwischen diesen existentiellen Gedanken; und dem Wohlfühlgefühl, ausgelöst durch die wunderbare Frau an seiner Seite; zu seinen Eltern, denen er einen Rückruf versprochen hatte; zu Lia Ancateau, die ihn tief in sich selbst erwischt hatte. Zu seinen Tieren, die seit Tagen zwar Futter, aber keine Zuwendung bekamen. Imbert kämpfte mit sich selbst. Er würde unbedingt schlafen müssen. Konnte aber nicht. Also begann er – ein bei ihm bewährtes Mittel – im Kopf alphabetisch Frauennamen aufzusagen. Je Buchstabe mindestens 20. Bei ‘D’ fiel er in einen tiefen Schlaf.

- Imbert , Treck der Bouquetins

Leseprobe
D er Eingang zum Hospital war offen, die Türen von Schrotflinten und Schlimmerem durchlöchert, die Wände von vielen Brandsätzen schwarz gefärbt. Imbert und Dremruz sprangen in den Vorraum, orientierten sich, sahen eine eingestürzte Decke zum zweiten Stock, nahmen Deckung hinter massiven Betonsäulen auf und checkten systematisch die Räume einen nach dem anderen auf etwaige Gegner.
Nichts. Kein Michel Dousar, keine Gegner. Eine unwillkürliche Stille durchzog die unteren Räume des ehemaligen Hospitals. Von einer Wand schaute ein Erzengel Remiel mit traurigem, aber erbarmendem Blick aus einem alten historischen Gemälde auf sie herab. Remiel, oft und missverständlich als «Gnade Gottes» bezeichnet, bedeutete in der hebräischen Ableitung eher «Donner Gottes». Und als solche empfand Imbert sich in diesem Augenblick.

Dousars Blick war leicht nach oben gewandt. Neben den kaum auszuhaltenden Schmerzen im Kopf war er jetzt in eine akute Depression gefallen. Er würde diesen Tag nicht überleben. Weder war sein ursprünglicher Plan aufgegangen, noch hatte er die beiden Männer überzeugen können. Nahm er an. Denn es verging zu viel Zeit.
Dousar dachte an seine Natalie. Und kaum, dass ihr Gesicht vor seinem geistigen Auge auftrat, verklärten sich seine Gesichtszüge zu einem unscheinbaren Lächeln. Aber nicht aufgrund seiner Gedanken an die geliebte Frau. Dousar hatte die Umrisse der Drohne über sich gesehen. Rettung war vor Ort. Und Imberts dämliche Flugmaschinen sondierten die Lage. Imbert, dieser Nonkonformist. Würde sein Leben retten. Dousar schluckte. Er hatte seinen Chef eigentlich nie richtig gemocht. Hielt ihn bisher für ein arrogantes Sicherheitsrisiko. Eine Zeitbombe. Aber er musste revidieren. Denn sein Vorgesetzter hatte zu oft Erfolg mit seinen Methoden. Und würde auch ihn jetzt und hier retten. Und dann würde er, Michel Dousar, loslegen und endlich faktische Schritte zur Säuberung der Straßen und gegen die Drogenkartelle starten. Wenn nicht diese Schmerzen wären. Er war kein Held. Und eher das, was Romy manchmal scherzhaft einen «Hasen» nannte. Hatte er die Drohne wirklich gesehen? Oder spielte ihm sein Verstand einen Streich? Gab es dafür ein Formular?

- Imbert , Treck der Bouquetins